Für den alt­griechis­chen Aus­druck διαγωγή (diagoge) gibt es nicht nur kein direkt entsprechen­des Wort im Deutschen, son­dern auch der struk­turelle Bedeu­tung­shor­i­zont des Begriffs ist in unserer heuti­gen Sprache vernebelt.

Bei Aris­tote­les durch­misst der Bedeu­tungsraum fol­gende Kon­no­ta­tio­nen: ein­er­seits Unter­hal­tung, Freizeit, ander­er­seits jedoch auch Kul­tivierung des Geistes, sin­ner­füllte Lebens­gestal­tung, Zeit­ge­brauch des Philosophen. Um die Bedeu­tung genauer her­auszuschälen, kon­trastiert Aris­tote­les diagoge mit dem Begriff “Muse”. Während Muse — Zusam­men­hang mit “scholein” – die “Freizeit” eher als Frei­heit von zwar notwendi­gen, aber niedrigeren Tätigkeiten beze­ich­net, meint diagoge — mit stärk­erem Bezug zu “kalon” — die pos­i­tive Frei­heit von diesen Tätigkeiten zu den eigentlich wichti­gen, schö­nen Tätigkeiten.

Kurzum: diagoge beschreibt die Freizeit, in der man sich nicht ein­fach passiv dem Ange­bot der Unter­hal­tungs– und Freizeitin­dus­trie über­lässt, son­dern in der man aktiv nach dem “Schö­nen”, das auch das “Wahre” ist, sucht, das aus der Erfahrung der staunen­den Neugier für die noch nicht enthüll­ten Möglichkeiten dieser Welt erwächst.